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Bürgerinitiative "Kahlschlag in Lichtenwalde stoppen"

Der Wald in Lyrik und Poesie

Karwoche im Wald

Ich muss in mein Wäldchen, das verborgene, schwer zugängliche. Schlimmes ist mit ihm geschehen.
Von weitem konnte ich es sehen. Heute muss es sein. Ich muss es aushalten.
Mutig klettere ich über dicke Stämme, stürze, stehe wieder auf. Noch zehn Schritte.
Jetzt, jetzt müsste es dunkel und lauschig werden.
Hier bauten wir Hütten mit den Kindern, saßen am Bach.
Alles platt, abgeholzt, Harvester, Spuren der Gewalt.
Nicht mal ein Sonnenstrahl kann hier beschönigen. Ich stehe erstarrt.
Ich kann mich plötzlich nicht mehr bewegen. Ein Wald ist weg.
Nur ein paar dürre Bäume am Rand ragen vorwurfsvoll gen Himmel.
Der Waldbesitzer aus Bayern, der mit der Holzfabrik.
Was hat er zu suchen in unserem bisschen Wald zwischen Eigenheimen und Stadtrand?
Gekreuzigte Bäume, blutende Buchenstümpfe. Ich steige zum Bach hinunter, Grünes schimmert an den Ufern.
Hoffnung auf Auferstehung. Es knackt.
Fünf Rehe jagen durch das Gelände. Die waren immer hier und haben ihre Heimat doch verloren.
Aber es gibt sie noch. Und mich gibt es auch noch. Auch wenn mich heute Trauer überwältigt.
Mit den anderen werde ich kämpfen. Um jeden Baum.
Aber er forstet doch auf, sagt einer. Bäume, in hundert Jahren....

~ Anja Diering, April 2023 ~

Ich finde Dich in allen diesen Dingen

Ich finden dich in allen diesen Dingen,
denen ich gut wie ein Bruder bin;
als Samen sonnst du dich in den geringen
und in den großen gibst du groß dich hin.
Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,
dass sie so dienend durch die Dinge gehn:
in Wurzeln wachsend, schwindend in Schäfte
und in den Wipfeln wie ein Auferstehn.

~ Rainer Maria Rilke, 24.09.1899, Berlin-Schmargendorf ~

Man kann die Natur mit einer Forke vertreiben, aber sie kehrt immer wieder zurück.

~ Horaz (65 - 8 v.Chr.), römischer Satiriker und Dichter ~

Zum Nachdenken

Du hast das Recht, zu rebellieren gegen die Zerstörung deiner Welt. Niemand braucht dir das Recht einräumen, du hast es, weil du Mensch bist. Dieser herrliche blaue Planet ist deine Heimat, und du hast das Recht, sie zu schützen. Du hast das Recht, gegen die Ausbeutung der Natur zu rebellieren, gegen die Zerstörung der Ozonschicht, gegen die Verwüstung der Wälder, gegen die Versteppung der Grünzonen, gegen die Vernichtung der Balance, in der die Welt seit Jahrmillionen lebt.

Du hast das Recht zu rebellieren gegen die Zerstörung und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, weil WIR! nicht genug Sorge tragen.

Du hast das Recht, betroffen zu sein von der Veränderung der Welt durch die Vergewaltigung des Menschen. Du hast das Recht, den Planeten mit all seinen Lebensformen zu lieben.

~ Ulrich Schaffer ~

Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen und schrien sich zu ihre Erfahrungen, wie man schneller sägen könnte, und fuhren mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen, schüttelten die Köpfe und sägten weiter.

~ Bertold Brecht ~