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Bürgerinitiative "Kahlschlag in Lichtenwalde stoppen"

Geschichte des Butterbergs

Wie jedes Jahr sah man 2023 Ende Februar/Anfang März die balzenden Mäusebussarde und Milane über dem Butterberg kreisen. Während die Bussarde direkt am Butterberg nisten, kommen die Milane aus Richtung Tännicht auf Reviersuche. Seit Mitte März gehört der Anblick der kreisenden Greifvögel der Vergangenheit an. Umfangreiche Baumfällarbeiten in der zweiten Märzhälfte in dem zum FFH- Schutzgebiet „Zschopautal“ gehörenden Waldstück haben sie vorerst vertrieben.

In Zusammenhang mit diesen Arbeiten im Forst rückte auch der Name „Butterberg“ immer wieder in den Fokus der Berichterstattung. Was hat er zu bedeuten? Dabei handelt es sich um eine alte Flurstücksbezeichnung am Kaulhübel. Bereits in den ersten bekannten Karten von Lichtenwalde um 1600 wird dieses Flurstück als Butterberg oder auch Botter Bergk bezeichnet.

Ur-Öder, Handzeichnung um 1586-1633, SLUB digital
Ur-Öder, Handzeichnung um 1586-1633, SLUB digital


Aber auch im Erbbuch des Amtes Lichtenwalde anno 1595 steht für dieses Flurstück der Name „Butterbergk“. Oder Jahre später sind in den Meilenblätter 1789/1790 der Kaulhübel und der Butterberg eingetragen.

Meilenblatt 1789/90, Blatt 180, aufgenommen von Friedrich Ludwig Aster, SLUB digital

Die Bezeichnung Butterberg für ein Flurstück kommt aber nicht nur in Lichtenwalde vor, sondern ist in der Lausitz, Erzgebirge, Böhmen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Über den Ursprung des Namens gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Ganz häufig wird jedoch auf slawische Ursprünge hingewiesen. Der nächstgelegene Butterberg befindet sich übrigens zwischen Mühlbach und dem Diabasbruch bei Hausdorf.

Was gibt es über das Flurstück „Butterberg“ von Lichtenwalde zu berichten

Im bereits erwähnten Erbbuch des Amtes Lichtenwalde anno 1595, steht „bestanden mit Eigen (Anm.: Eichen), Aspen (Anm.: Pappeln), Hasel, und Ander gemein Holz“.

Flurkarte aus der Abschrift des Flurbuches von 1840 (Butterberg durch Pfeil gekennzeichnet), Kreisarchiv Freiberg

Nach dem Flurbuch von 1840 wurde das mit der Nr. 219 bezifferte Flurstück mit Eichen- und Birken-Niederwald kultiviert. Auch 1901 spricht man bei dem Flurstück noch vom Eichen- und Birken-Niederwald.

Auszug das dem Flurbuch von 1840 bezüglich des Flurstückes Nr. 219, Kreisarchiv Freiberg

Über den vorhandenen Baumbestand am Butterberg zwischen 1850 und 1900 kann man aus Holzauktionen vor Ort bzw. später im Schlossgasthaus schließen. Diese Auktionen wurden von der Vitzthumschen Forstverwaltung in Frankenberger Zeitungen angezeigt. Zwischen 1855 und 1896 sind mindestens zehn veröffentlicht.

Anzeige aus dem Intelligenz- und Wochenblatt Frankenberg vom 17.03.1855

Scheitklaftern spricht, waren es zwischen 1872 und 1875 und zwischen 1892 und 1896 auch Klötzer verschiedene Baumarten, wie Eiche, Birke, Rüster (Ulme), Ahorn, Hornbaum (Hain- oder Weißbuche), Erle, Linde, unterschiedlicher Stärke und Länge.

Anzeige aus dem Frankenberger Nachrichtsblatt und Bezirksanzeiger vom 24.01.1872

So viel zur Waldwirtschaft am Butterberg. Das Gelände war aber spätestens seit 1897 unter Majoratsherr Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt für den Fremdenverkehr erschlossen:

So gab es im 1900 in 3. Auflage erschienenen Heft „Lichtenwalde und Umgebung“ einen Tipp: „Ein angenehmer kurzer Spazierweg führt von der Mühle aus über den Angerbach nach dem Schloßberge gegenüberliegenden Butterberg, von welchem man eine wundervolle Aussicht nach dem Schlosse und in das Zschopautal hat. Von der höchsten Kuppe des Butterberges, „Kaulhübel“ genannt, welche außerhalb des Gebüsches etwas nördlich liegt, eröffnet sich dem Auge ein herrliches Panorama in östliche Richtung auf Braunsdorf, und Altenhain, nordöstlich auf Frankenberg, Schloss Sachsenburg, Nördlich auf Merzdorf, Nieder- und Oberlichtenau, westlich auf Ebersdorf. Vom „Kaulhübel“ gelangt man auf der anderen Seite Butterberges nach dem Kirschberge und von da in den niederen Teil des Dorfes Lichtenwalde, dessen nach dem Schlosse führender Weg die „Herrengasse“, von alten Mächtigen Linden beschattet wird.“

Der Lehrer und Heimatforscher Max Kästner aus Frankenberg äußert sich im Frankenberger Heimatbuch wie folgt: „Tour 26 b Bei der Lichtenwalder Mühle über die aus dem Angergrunde kommende Strasse; wenige Schritte am Fusse des Zschopautalgehänges entlang; dann Holzstufen l. hinauf auf den mit Laubgebüsch bestandenen Butterberg. Der Waldpfad ersteigt die 50 Meter bis zur Höhe im Zickzack: erst r., dann l., nochmals r. und nochmals l., schließlich am Rande des Angergrundes entlang. Nach einiger Zeit schlängelt sich der Pfad wieder vom Gehänge weg in das Gebüsch hinein. Bei einer Weggabelung r. aus dem Walde heraus und im Bogen l. auf die kahle Höhe des Berges (318 m, ca. 60 Meter über dem Zschopauspiegel!) Prächtiger Überblick über die ganze Frankenberger Weitung; am nahen Rand des Zschopaugehängewaldes sieht man nicht selten Rehe äsen; nach O und S schweift der Blick über das flach eingesenkte Altenhain und die Augustusburg. Da der Weg hier zu Ende ist, gehen wir die kurze Strecke zurück in den Wald und schlagen hier den anderen Weg (r.) ein, der uns abwärts bis an den oberen Rand einer Kirschplantage (Kirschberg) führt; hier ohne Weg an der Äußeren Kirschbaumreihe entlang vollends zu Tal (Seitenrinne des Angergrundes!). …“

Damals wusste man die Reize der Lichtenwalder Umgebung gezielt für Ausflügler in Szene zu setzen. Auch heute noch ist der Rundblick vom kaum zu erreichenden Kaulhübel überaus reizvoll. Hoffen wir, dass sich der Wald am Butterberg trotz Klimastress durch zunehmende Trockenheit erholt und die im Text anfangs erwähnten Greifvögel bald wieder über dem Wald kreisen.

Text: Dr. Katharina Müller, Lichtenwalde

Quellen:
1. SHStA Dresden Schr. R., Fach 3, Nr. 120B(Ur-Öder, Handzeichnung um 1586-1633)
2. SHStA Dresden Makro 756, Schr. R., Fach 3, Nr. 120 (Ur-Öder, Handzeichnung um 1586-1633)
3. Sonderausgabe der Beiträge zur Ebersdorfer Heimatgeschichte, Das Erbbuch des Amtes Lichtenwalde anno 1595, übertragen und erläutert von Gert Petersen 1998
4. Meilenblatt 1789/90, Blatt 180, aufgenommen von Friedrich Ludwig Aster
5. Flurbuch über das im III. Steuerkreis, Steuerbezirk Augustusburg liegende Rittergut Lichtenwalde mit Schloss und Dorf, Abschrift 1896 (original 1840)
6. Verzeichnis der im Grundsteuerkataster der Gemeinde Lichtenwalde unter dem Besitzkonto Nr. 1 begriffenen Steuerobjekte
7. Intelligenz- und Wochenblatt Frankenberg 1842 – 1860
8. Frankenberger Nachrichtsblatt und Bezirksanzeiger – 1861 – 1872
9. Frankenberger Tageblatt und Bezirksanzeiger ab 1878
10. Lichtenwalde und Umgebung 3. Auflage Verlag Eilbert Chemnitz 1900
11. Max Kästner, Frankenberger Wanderbuch, Verlag Rossberg, Frankenberg 1906